28.09.2012 00:13
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Brandstiftung im Biobad Blankenburg

Am 26. September ereignete sich gegen 22 Uhr ein Großbrand im Blankenburger Freibad. Infolge dessen wurde die dazugehörige Gaststätte, inklusive Pumpen und Wasseraufbereitungsanlage in Mitleidenschaft gezogen. Der Schaden beträgt geschätzt 700.000 €.

Ende August war die Welt noch in Ordnung: Klares Wasser, Liegestühle zum Entspannen und im Hintergrund die Gaststätte und Liegewiese

Laut Goslarsche Zeitung geht die Polizei von Brandstiftung aus. Es wurde ein Benzinkanister entdeckt (Quelle). Im MDR berichteten Verantwortliche von Feuerwehr und Polizei, dass Brandstiftung nicht ausgeschlossen werden kann. Als Gründe wurden hier genannt, dass in letzter Zeit bereits mehrfach in das Gebäude eingebrochen wurde (Video vom MDR) und gerade mal 30 min nach Ausbruch des Feuers im Biobad zwei Straßen weiter ein leerstehendes Gebäude angezündet wurde (2. Video vom MDR).

Fassungslosigkeit

Ich persönlich war leider erst ein mal im neuen Bad, vor knapp einem Monat. Ich fühlte mich wohl und es war das erste mal seit ca. 15 Jahren, dass ich wieder in Blankenburg im Freibad war. Dabei entstand auch das Foto links.

Das schlimme ist, dass das Bad erst vor zwei Jahren eröffnet wurde, nach jahrelanger Arbeit durch Vereinsmitglieder und Spenden sammeln. Das Projekt war immer wieder bedroht und wurde schließlich mit letzter Kraft realisiert.

Ich schwanke nun zwischen Wut, Mitleid und Fassungslosigkeit.

Es wäre schade, wenn all das umsonst gewesen wäre. Es ist deshalb schön zu hören, dass der Vorstandsvorsitzende des Vereins das "Freibad auf jeden Fall wieder aufbauen will" (2. Video vom MDR). Doch dann bitte mit höheren Sicherheitsmaßnahmen!

Bedenkliche Entwicklung

Vom Bauchgefühl her teile ich die in den Videos geschilderte Meinung von Polizei und Feuerwehr. Doch sollten sich diese Zusammenhänge tatsächlich bewahrheiten, wäre diese Dreistigkeit der Täter sehr bedenklich. Erst wird ein Großbrand ausgelöst und im Anschluss daran hat man immer noch nicht genug, und zündet ein weiteres Gebäude an.

Ist das eine Machtdemonstration oder war es ein Ablenkungsmanöver?

Fakt ist, man schreckt hier scheinbar vor nichts mehr zurück. Erst Einbrüche, dann Brandstiftung. Wohin soll das nur führen? Eine weitere Eskalation muss verhindert werden.

Das schlimmste ist, dass die Täter bei Brandstiftung meist nicht gefasst werden können (49% Aufklärungsquote -  siehe Wikipedia). Die Polizei erhofft sich Hinweise. Problem ist, es fehlt hier ganz schmerzlich eine Videoüberwachung. Und so schätze ich die Wahrscheinlichkeit gering ein, dass gegen 21-23 Uhr viele brauchbare Zeugen in der Gegend gewesen sind.

Motive

Der folgende Teil ist kein Tatsachenbericht, sondern besteht aus meinen persönlichen Schlussfolgerungen mithilfe von bestehenden Fakten.

Gehen wir davon aus, dass es es sich um Brandstiftung handelt. Die Motive sind hierbei vielfältig (siehe Wikipedia). Im Zusammenhang mit dem Biobad und der Vorgeschichte, spricht vieles für eine Verhaltensstörung der Täter (Neid, Hass oder Zerstörungswut).
Diese Leute bekommen sonst nichts auf die Reihe (Langeweile) und wollen sich hier vor Freunden beweisen (Mutprobe). Auf der anderen Seite spielt der mediale Hype eine Rolle. Der Täter denkt dann wie ein Sportler. Wenn überall die Fotos von der eigenen Tat in den Zeitungen und auf Internetseiten zu sehen sind, ist das wie eine Trophäe... Der Täter denkt sich "Schaut her, das war mein Werk. Ich habe etwas geleistet."

Doch die Wahrheit ist, diese Leute sind Versager auf ganzer Linie. Es ist nicht schwer etwas zu zerstören. Erst recht nicht ein Gebäude mit einem Benzinkanister anzuzünden. Das kann jeder mit einem IQ von 60 und höher. Aber wirklich etwas zu leisten im Leben - etwas zu erschaffen - ist solchen Leuten fremd.

Die mediale Berichterstattung

Auch ich muss mich selbstkritisch mit der eher philosophischen Frage beschäftigen, ob man das Ganze überhaupt thematisieren sollte. Denn genau das bietet den Tätern die öffentliche Bühne, die sie wollen, um sich zu brüsten. Diese Leute sind gefrustet und sie wollen einen Erfolg, eine Trophäe und genau das gelingt ihnen durch die mediale Berichterstattung.

Gäbe es Amokläufer an Schulen, wenn niemand darüber berichten würde? Gäbe es terroristische Anschläge wie in New York am 11. September 2001, wenn niemand davon durch reißerische Medien erfahren würde?

Meiner Meinung müssen diese und viele ähnliche Fragen mit einem klaren nein beantwortet werden.

Aber das führt an dieser Stelle vermutlich zu weit.

Wer die Schuld zu tragen hat

Die Verantwortlichen gehören ganz klar weggesperrt, aber die eigentliche Ursache bekämpft das nicht.

Im Endeffekt bringt es nichts, den Schuldigen etwas schlechtes zu wünschen. Auge um Auge hat uns schon immer geschadet. Man kann das Schlechte im Menschen nicht ausrotten. Man kann es nur abmildern indem man den Menschen eine Perspektive bietet. Jeder kann etwas besonders gut, aber herauszufinden was das genau ist, bleibt vielen verborgen. Und so fühlen sie sich unnütz. Langeweile führt dazu, dass man zusammen abhängt und sich betrinkt und am Ende kommt bei den Härtefällen so etwas bei heraus.

Solange der Gesetzgeber hier nichts ändert - in Form von effektiveren Bildungsangeboten, Talentsuche etc. - bleiben nicht viele Möglichkeiten. Die Präsenz von Polizei bzw. Sicherheitsdiensten und Videoüberwachung muss ausgeweitet und nicht weiter ausgedünnt werden.

Ich hoffe, dass die Versicherung unkompliziert die Kosten für die Schäden am Biobad übernimmt. Denn sonst wären der Verein und damit das Bad in Blankenburg am Ende. Im Endeffekt haben die Beitragszahler sowieso die Zeche zu zahlen. Nur so kann wenigstens ein bisschen Gerechtigkeit eintreten, denn dann werden die Kosten auf viele Schultern verteilt. Und wenn der Staat tatenlos zusieht, muss die Gesellschaft eingreifen...

Brand im Waldhofbad Wernigerode

Abschließend noch ein Hinweis auf den Brand im Waldhofbad Anfang Mai. Hierbei handelte es sich nicht um Brandstiftung. Die Brandursache war ein Blitzschlag in das Gebäude (Quelle: Volksstimme vom 2.7.2012).

Es handelt sich also nicht um einen "Trend", dass Freibäder angezündet werden. Das klingt positiver als befürchtet, heißt aber auch, dass Blankenburg damit alleine dasteht.

2 Kommentare

Von sven p
am 28.09.2012 (11:55 Uhr)

Die Möglichkeit von Versicherungsbetrug hältst du nicht mal für erwähnenswert? immerhin sollte das Bad erst mal komplett geschlossen werden, da käme wirklich ebenfalls ein größere Verlust auf die Betreiber zu.

Versteht mich bitte nicht falsch, in bin nicht dieser Überzeugung, aber finde es trotzdem als eine durchaus plausible Möglichkeit. Denn so was ist bei uns hier in der gegen nun wirklich nichts neues. Nichts desto trotz bleibt es nen Jammer, vor allem wenn man den Brand am alten Hotel, richtung Ziegenkopf hoch mitbekam.

Von Christian Schmidt
am 28.09.2012 (14:14 Uhr)

Man sollte nie etwas ausschließen, aber das ist mir dann in diesem Fall doch zu abwegig.

1. Das Gebäude war erst 2 Jahre alt und gut in Schuss.
2. Die Verantwortlichen haben 7 Jahre ihres Lebens ehrenamtlich (ohne einen einzigen Cent Vergütung) daran gearbeitet, das Freibad geplant und auch verwirklicht. Wer zerstört dann sein eigenes Werk?
3. Wie interpretierst du das mit der Vorgeschichte? Einbrüche etc. Hältst du das dann auch für fingiert?
4. Du sagst ja selbst, dass es jetzt wieder einen Brand gab. Und das Gebäude hat absolut nichts damit zu tun.

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